Reisevortrag


Kurische Nehrung
 
Die ostpreußische Sahara


Chronisten beschreiben die Landschaft Ostpreußens als die „eigenartigste“ Europas. Wenn dies schon vor mehr als hundert Jahren aufgefallen ist, um wie viel mehr heute, nach 50 Jahren hermetischen Abgeriegeltseins durch die Sowjetunion unter dem Namen „Kaliningradskaja Oblast“. Aber mehr noch nach 700 Jahren deutscher Geschichte sowie Flucht und Vertreibung 1944. Seit der Öffnung zum Westen hin besteht nun die Gefahr erneuter Isolation durch den Beitritt der Anrainerstaaten zur EU.
Die damaligen Beobachter meinten aber vor allem die unverwechselbaren Landschaften der Gegend. Mitten in Europa treffen sich auf der Kurischen Nehrung die Ostsee und die größten europäischen Sandwüsten zur „Ostpreußischen Sahara“, immerhin mit bis zu 60 Meter aufragenden Dünen. Die Nehrung selbst, ein zwischen 350 Meter und 3,5 Kilometer breiter und 100 Kilometer langer Landstreifen, lässt schnell vergessen, dass man sich noch immer inmitten des heimatlichen Kontinents befindet. Um so mehr, als man sich in der Mitte der Nehrung – quasi auf einem Haufen Sand - plötzlich einer Außengrenze der EU ausgesetzt sieht, die den Zwist zwischen Russland und Litauen – als nur einer der drei Baltik-Staaten - in überdeutlicher Weise demonstriert.
Dieser Reisevortrag bedient nicht zwingend die ostpreußischen Heimweh-Befindlichkeiten, obwohl er auf solchen Reisen entstanden ist und schon deshalb diese Gefühle keineswegs ausspart. Im verbliebenen Nachkriegs-Deutschland leben immerhin noch 1,5 Millionen ehemalige Ostpreußen, die natürlich auch auf der Kurischen Nehrung ihre Wurzeln haben. Vielmehr möchte ich einen persönlichen Blick auf eine Gegend werfen, die es in vielfacher Weise neu zu entdecken und zu gewinnen gilt. Schon, weil sie - global betrachtet - vor unserer Haustür liegt.
Lassen Sie sich verzaubern vom Kontrast zwischen litauischer Touristen-Mobilität und dem Charme des Morbiden der russischen Seite der Kurischen Nehrung.

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