Reisevortrag


Verlorenes Ostpreußen

Das Königsberger Gebiet



Chronisten beschreiben die Landschaft Ostpreußens als die "eigenartigste" Europas. Wenn dies schon vor mehr als hundert Jahren aufgefallen ist, um wie viel mehr heute, nach 50 Jahren hermetischen Abgeriegeltseins durch die Sowjetunion unter dem Namen "Kaliningradskaja Oblast". Nach 700 Jahren deutscher Geschichte, Flucht und Vertreibung 1944, dem seit 1992 anhaltenden, aber abflauenden "Heimweh"-Tourismus, der Öffnung zum Westen hin sowie der Gefahr erneuter Isolation durch den Beitritt der Anrainerstaaten zur EU, also einer extrem wechselvollen Geschichte kein Wunder. Aber die damaligen Beobachter meinten vor allem die unverwechselbaren Landschaften der Gegend. Heute leben vor allem angesiedelte Russen in Nord-Ostpreußen, aber sie tun es oft in alten deutschen Wohnsiedlungen, die stabiler erscheinen als die Wohnblocks der Sowjets.
Dieser Reisevortrag bedient nicht zwingend die ostpreußischen Heimweh-Bedürfnisse, obwohl er auf solchen Reisen entstanden ist und schon deshalb diese Gefühle keineswegs verneint. Im verbliebenen Nachkriegs-Deutschland leben immerhin noch 1,5 Millionen ehemalige Ostpreußen. Vielmehr will er einen persönlichen Blick auf eine vergessene und im mehrfachen Wortsinn verlorene Gegend werfen, die mittelbar vor unserer Haustür liegt. Morbider Charme trifft auf kühne Zukunftsvisionen, in den Urzustand zurückgefallene Landschaften treffen auf Kirchen, die noch vor kurzem Turnhallen oder Schweineställe waren. Russen, die Ostpreußen als Ihre Heimat begreifen, treffen allmählich auf die geschichtlichen Wurzeln ihres Landes, die weit vor der Zeit ihrer Geburt liegen.
Atmosphärische Bilder, unterlegt mit Musik aus der Gegend, vereinen sich mit aberwitzigen und skurilen Geschichten zu einem deutsch-russischen Kaleidoskop.

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