Reisevortrag



Detroit

Das Ende des Kapitalismus


Genua

Einst: Detroit, die „Stadt an der Straße“, war die reichste Stadt der USA. Hier begannen Ford, Chrysler und General Motors einen sagenhaften Aufstieg der Autoindustrie. Dieser Reichtum erzeugte die größte Art-Deco-Wolkenkratzer-Ansammlung der Welt in DownTown Detroit. Hier wurden der Musikstil Motown erfunden, später der Techno, später entstieg den Untiefen der Stadt Eminem, der zum erfolgreichsten Rapper der Welt avancierte.

Jetzt: Detroit ist bankrott. Mit 19 Mrd. Dollar. Nach dem Zusammenbruch der einzigen Industrie der Stadt zogen alle Menschen, die es sich leisten konnten, weg. Detroits Bevölkerung sank in den letzten 20 Jahren von zwei Millionen auf unter 700.000 Einwohner. Zurück blieb ein weltweit einzigartiges Bevölkerungsbild: 82 % Schwarze, einst wegen der Arbeitsplätze aus dem Süden des Landes übersiedelt, bevölkern nun das Stadtghetto und machen Detroit zur einzigen Geisterstadt der Welt, die (noch) bewohnt ist. Detroit hat die höchste Kriminalitätsrate der USA. Mindestens ein Mord pro Tag. Anthony Bourdain sagt: „Diese Stadt ist nur mit einem Platz auf der Welt vergleichbar: Tschernobyl!“.

In diesem Spannungsfeld bewegt man sich in Detroit. Als einziger Tourist, als meist einziger Weißer, als einziger mit Fotoapparat, und immer wieder Fragen ausgesetzt, was ich hier wohl fotografiere. Da meine Antworten oft unverstanden blieben, war das Androhen des Arrestiertwerdens durch die Polizei an der Tagesordnung. Aber das war nichts gegen ein Schild, das ich vor einem der 90.000 verlassenen Häusern fand, auf welchem zu lesen war: „Sorry, we are dead“.
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