REISEVORTRAG


Geisterstädte


Genua

Normalerweise leben in Geisterstädten keine Menschen (mehr). Aber gerade deshalb verdeutlichen sie oft die Gründe, manchmal Abgründe menschlicher Existenz. Also: keine Menschen sagen oft mehr über Menschen als… Menschen. Denn diese können sich verstellen, lügen, visionieren, ablenken… Was Menschen aber hinterlassen, spricht eine eigene, direkte, blumenfreie Sprache. Und was unter „Geister“ zu „verstehen“ ist, ist ja auch ein… fragliches Thema.
So bin ich nach vielen „Schön“-Themen wie Südsee und Co. – und nachdem ich 50 geworden bin - auf die „krassen“ Themen gestoßen und nun auf der Jagd nach den Hinterlassenschaften menschlichen Daseins. Auf beinahe allen Kontinenten, aus allen Zeiten. Städte wurden ja schon verlassen, lange bevor jemand auf die Idee kam Jahre zu zählen. Also spannen wir eine – krumme - Linie von Teotihuacan in Mexiko bis ins gegenwärtige Detroit, der einzigen Geisterstadt, die noch bewohnt ist. Die also weder tot ist noch lebendig.
Und noch eins: mal ehrlich: jeder, der beim Fotografieren halbwegs bei Verstand ist, hat doch schon einmal den Charme des Morbiden gespürt, oder? Nicht? Dann tut es mir leid. Ich zumindest bin in Geisterstädten immer in der bizarren emotionalen Mischung aus Betroffenheit und Reiz unterwegs. Ich liebe das!
Ein Vortrag, der sich über die Jahre wohl in stetigem Wandel befinden wird. Willkommen in der Existenz der Nichtexistenz. Apokalypse heißt „Entschleierung“ habe ich gelernt

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