Reisevortrag


Expedition Nordatlantik

Island - Grönland - Kanada





Zwei Monate auf einem Schiff ist vor allem eins: ein Trip in die Eigenheiten des Ichs. Es ist eine geschlossene Anstalt in absoluter Freiheit. Da war – u. a. - mehr Titanic, als ich dachte. Zum Beispiel Cobh, Irland, wo das Schiff der Schiffe seine letzten Passagiere aufnahm und ich mir multimedial deren Untergang "reinziehen" (besser: runterziehen) konnte. Und Halifax, die Metropole in Nova Scotia, in welcher ich es tatsächlich schaffte zum Fairview Lawn Cemetery zu gelangen, wo 123 der nachträglich geborgenen Titanic-Opfer begraben liegen - unter drei Reihen mit niedrigen, hauptsächlich nach der Bergungsreihenfolge nummerierten Graugranitblöcken. Aber: Eis! In Ilulisat in der Diskobucht Grönlands war kein Landgang möglich. Schade? Mitnichten. Der Grund war ein dreimal größerer als gewöhnlich auftretender Gletscherabbruch (= 150 Millionen Tonnen oberhalb der Wasseroberfläche...), der die Bucht verschloss - nicht aber für sehr kleine Boote, die einen unbeschreiblichen Trip zwischen den Kolossen ermöglichte. Die kleinen Exemplare hätten den Augustusplatz Leipzigs komplett ausgefüllt, auch in der Höhe - pro Stück. Die größeren die gesamte Innenstadt, die wirklich großen reichten von Horizont zu Horizont. Die zahlen sind hier allein deshalb spannend, weil sie nichts mehr sagen, keine Klärung der Dimensionen, erst recht nicht der emotionalen, ermöglichen. "Zugaben" waren das sagenhafte Neufundland und der Extremkontrast Montreal; Inseln, deren Existenz mir vor dieser Reise nicht gewärtig waren wie Prince-Edward-Island, wo der Staat Kanada beschlossen wurde, die Magdalenen-Inseln mit Ihrer 100 Farben auf 100 Metern Felsstrand oder St. Pierre et Miquelon, das ein Minifrankreich inmitten der Kanadas Maritimes zeigte, sogar mit EU-Flagge und Euro. Seit meiner Expedition in den Nordatlantik fühlt sich Zeit anders an. Nach zwei Atlantik-Überquerungen. Macht 22.000 km bei durchschnittlichen 27 km/h.

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